Warum anstrengen? Warum Entbehrungen auf sich nehmen?
Warum anstrengen? Warum Entbehrungen auf sich nehmen? Anstrengung und Entbehrung – zwei Worte, welche unmittelbar beschreiben, dass hier Lust und Freude wohl nicht anwesend sein können. Sind es überhaupt die richtigen Gegenspieler? Sind es die zwei Seiten einer Medaille? Ist Lust und Freude überhaupt zu empfinden, wenn einem vorher die Anstrengung und Entbehrung nicht begegnet sind? Auf biologischer Ebene ist es wohl so, dass die Rezeptoren für das Empfinden von Lust und Freude erst richtig aufnahmebereit sind, wenn sie vorher frei gemacht werden, blitzeblank geputzt durch das vorherige Leiden. Kein Preis ohne Fleiß. Das ist auch der Grund, warum solche sicher wohlgemeinten Ratschläge wie „Denke mal nur an dich“, „Mach einfach mal nichts“, „Ruh dich aus, mach einen Wellnesstag“ an Personen mit einer Missstimmung, vielleicht auch depressiven Verstimmungen, oder generell gestresste Personen eben nicht helfen können. Mancher bzw. manche wird sagen: Aber ich leide ja schon, ich bin völlig kaputt, ausgelaugt usw. Aber dieser seltsame Erschöpfungszustand ist nicht gemeint, wenn man von Anstrengung und Entbehrungen spricht. Sondern es setzt eine bewusste Entscheidung voraus, sich einer Anstrengung oder einer Entbehrung hinzugeben. Das muss nicht immer eine Überquerung des Stilfser Jochs sein, aber es wäre eine gute Gelegenheit, diese skizzierte These zu überprüfen. Anstrengung und Entbehrung wandeln sich auf so wunderbare Weise in eine freudige, wohltuende Erschöpfung, wenn die Tat vollbracht ist. Danach folgt automatisch eine innige Freude, die Freude innen über den Fleiß. Etwas getan zu haben, was Anstrengung und Entbehrung heißt, das muss etwas mit Fleiß zu tun haben. Derjenige, welcher fleißig ist, macht keine Dinge, welche leicht sind – im Gegenteil: Der Fleißige schuftet, aber nicht aufopfernd, sondern lauernd auf das, was danach kommt. Lust und Freude sind die Belohnung des Fleißigen. Wenn du also das nächste Mal denkst, das ist aber anstrengend und entbehrlich, dann darfst du schon in Vorfreude sein – auf die Belohnung deines Fleißes.
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