Was für ein genialer Schachzug von Edward Bernays im Jahre 1929, den Zigarettenkonsum für seinen Auftraggeber anzukurbeln – indem er die Glimmstängel zu „Fackeln der Freiheit“ stilisierte.
Was für ein genialer Schachzug von Edward Bernays im Jahre 1929, den Zigarettenkonsum für seinen Auftraggeber anzukurbeln – indem er die Glimmstängel zu „Fackeln der Freiheit“ stilisierte. Adressaten waren vor allem die Frauen; die Männer wussten natürlich schon vorher, dass Rauchen cool ist. Neidlos erkenne ich an, dass die Idee, eine krankmachende, tödliche Angelegenheit mit einem Narrativ so aufzuwerten, dass Millionen, kumuliert Milliarden Menschen begeistert zu einem Produkt greifen und es mit Lust, beinahe Eifer genießen, um sich selbst und anderen zu schaden, eine bemerkenswerte Gabe ist. Selbstverständlich waren die Deutschen dabei – und das in ihrer unnachahmlichen, fleißigen und gehorsamen Art, wofür man sie auf der Welt nicht nur schätzen gelernt hat. Der Reemtsma-Konzern hat den PR-Coup von Bernays auf eine neue Stufe gestellt und gezeigt, dass Wiederholungen zur Wahrheit werden können. Die Emotionen schlagen die Realität – so war es und so ist es auch heute noch. Was aber wirklich bemerkenswert ist – und ich befürchte, dass es genetisch bedingt ist –, ist, dass Nachkömmlinge der Reemtsma-Dynastie heute, fast 100 Jahre später, immer noch im Business der heißen Luft unterwegs sind. Nicht anders ist es zu erklären, warum Luisa Neubauer ihr Geld mit dem Thema Luft verdient. Damals war es die qualmende Luft durch verbrannten Tabak, heute ist es das Kohlendioxid in selbiger. Es sind die gleichen Strategien, die gleichen Techniken; es sind emotionale Narrative, die immer und immer wieder erzählt werden. Ich bewundere Frau Neubauer für ihre konsequente Art, die DNA ihrer ruhmreichen Familie, die sich vor allem auch in der NS-Zeit auszeichnete, fortzusetzen. Eine Geschäftsidee, die seit mehr als 100 Jahren Milliarden von Euro mit heißer Luft einspielt – das verdient Respekt und Anerkennung. Natürlich braucht es auch genügend gutgläubige Menschen, die den Narrativen folgen – aber zum Glück werden diese nicht weniger. Beruhigend, nicht wahr …
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