Gesundheit
Bewundernswert II
Gesundheitssatire über Körper, Leistung und Selbstoptimierung
Von Der Levitenleser · 10. Mai 2026
Um es mal in aller Klarheit und mit gegebener Höflichkeit zu sagen: Ihr könnt einkaufen und fressen, was ihr wollt. Es interessiert wirklich niemanden. Gut, die Nahrungsmittelhersteller schon, aber das ist ja klar. Nicht wahr?
Um es mal in aller Klarheit und mit gegebener Höflichkeit zu sagen: Ihr könnt einkaufen und fressen, was ihr wollt. Es interessiert wirklich niemanden. Gut, die Nahrungsmittelhersteller schon, aber das ist ja klar. Nicht wahr? Ist es nicht bewundernswert, dass gar nicht mehr von Lebensmitteln gesprochen wird, sondern von Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln? Es scheint flüchtig betrachtet richtig zu sein, zumal heutzutage meist gegessen wird, um abzunehmen. Manchmal habe ich Sorge, dass das Internet überläuft vor lauter Empfehlungen, was man essen sollte, um abzunehmen. So viel könnte ich gar nicht essen, um so viel abzunehmen. Aber was ich wirklich bewundere, ist, dass es Unternehmen gibt – Familienunternehmen –, die sich insbesondere um das Wohl unserer Kinder kümmern. So gibt es eine beachtliche Auswahl von Süßigkeiten – gehören auch zu den Nahrungsmitteln –, die ein beeindruckendes Marketing im Rücken haben, um sicherzustellen, dass die richtige Botschaft die Kinder und die Eltern erreicht. So dürfen auf keinem Kindergeburtstag, in keinem Kindergarten, in keiner Grundschule und in keinem Kinderzimmer der Welt diese extra für Kinder hergestellten Produkte fehlen. Als der Levitenleser vor vielen Jahren die Reise von Ost nach West antrat, hatte er seine erste Begegnung mit einem Süßschrank oder einer Süßschublade. Es war im Westen üblich, solche Vorratskammern zu haben, speziell mit Leckereien für Kinder – auch für die eigenen. Der Levitenleser vermutete erst, dass es sich dabei um Aufbewahrungslösungen handelte, bei denen nur zu besonderen Gelegenheiten der Schlüssel an der Kette vom Hals der Großmutter genommen wurde. Weit gefehlt: Der Schlüssel steckte meist, und wenn nicht, dann wusste jeder, wo er zu finden war. In gewisser Hinsicht war das auch konsequent. Nehmen wir mal an, es gäbe so eine Schublade, also eine, bei der der Schlüssel nicht steckt. Ich setze jetzt mal mit viel Phantasie voraus, dass ihr eure Kinder wirklich liebt, und es gibt einen Anlass, und der Schlüssel wird ins Schloss dieser Schublade gesteckt, weil ihr euren Kindern mal etwas Außergewöhnliches – auch mal etwas außergewöhnlich Süßes – geben wollt. Und dann liegen in dieser Schublade ausschließlich Waren von Familienunternehmen wie der Firma Mars und Ferrero. Und ihr nehmt diese in eure Hände, zum Beispiel Kinderschokolade, Kinder Bueno, Kinder Country, ein Kinder-Überraschungs-Ei, Duplo, Milky Way, Bounty oder Snickers. Ich formuliere es mal anders: Ihr liebt eure Kinder wirklich, und dann möchtet ihr euren Kindern mal etwas Besonderes geben, auch mal etwas besonders Süßes – eine Süßigkeit. Und dann nehmt ihr ausgerechnet das in eure Hände, was im Bereich der Nahrungsmittelherstellung am höchsten verarbeitete Nahrungsmittel sind – die Produkte für Kinder – und wollt es euren geliebten Kindern geben. Ja, es ist bequem, und es machen ja auch alle so. Meine Hochachtung gilt den Familienunternehmen, die es geschafft haben, in die Schubladen eurer geliebten Kinder zu kommen.
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