Denken & Kultur
Das Verstandspendel
Ein Feuilleton über Denken, Bildung und Kultur
Von Der Levitenleser · 4. Januar 2026
Es ist nicht von mir, aber es gibt Stimmen welche sagen, dass sich manche Pendel extrem langsam bewegen.
Die Übergänge sind fließend, das sind sie eigentlich immer, zumal wenn ein Pendel ausschlägt, denn es ist nicht auf einmal auf der einen und dann ebenso plötzlich auf der anderen Seite. Wenn man genau hinschaut, und das ist die Voraussetzung für so viele Dinge, welche im Wandel sind, so sieht man natürlich das Pendel zur anderen Seite schwingen. Wenn man also nur eine Momentaufnahme des Pendels macht, sagen wir an irgendeinem Punkt des Pendelweges, und keine Idee davon hat, aus welcher Richtung das Pendel kommt und wohin es weiter schwingt, dann wirkt die Momentaufnahme wie die absolute Wahrheit. Oh ja, das ist verlockend, es würde so vieles einfacher machen, wenn die Momentaufnahme die unveränderbare Wahrheit wäre. Aber so ist die Wirklichkeit nicht, denn es ist eben doch relevant, ob die Sonne welche wir noch gerade so am Horizont sehen können, gerade die Nacht einläutet oder uns am kommenden Tag mit ihren Strahlen wärmt. Wie wäre es, wenn wir dieses Bild in uns aufnehmen und sozusagen griffbereit in unserer gedanklichen Schatulle aufbewahren? Wann hast du zuletzt über einen Gedanken, Worte, Erzählungen - Narrative der Neuzeit gedacht: „Was für ein unsäglicher Schwachsinn?“ Schnell ein Griff in die Schatulle und es fällt leichter zu erkennen, woher der Gedanke kommt und man kann sogar sehen, wohin er geht und wie er sich wandeln wird. Es ist nicht von mir, aber es gibt Stimmen welche sagen, dass sich manche Pendel extrem langsam bewegen.
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