Gesellschaft
Die blinkenden Lichter II
Gesellschaftssatire über Aufmerksamkeit, Konsum und Verführung
Von Der Levitenleser · 19. Juli 2026
Okay, lasst uns das Abenteuer beginnen.
Okay, lasst uns das Abenteuer beginnen. Aber nicht so spontan, wie es vielleicht sonst so meine Art wäre – nein, eher nach dem Motto: Die Vorfreude ist die schönste aller Freuden. Manchmal muss man auch einfach mal etwas Verrücktes machen, aber ich finde, selbst etwas Ausgefallenes sollte gut vorbereitet sein. Gerade dann, denn es ist doch auch oft so, dass die Dinge besonders gut gelingen, wenn sie auch gut vorbereitet sind. Es gibt natürlich Dinge, bei denen man sich nie sicher sein kann, gut oder sogar perfekt vorbereitet zu sein. Es schwingt immer eine kleine Unsicherheit mit, etwas vergessen zu haben, damit das Event gelingt und man sich richtig verhält, damit alle zufrieden sind. Ich will jetzt nicht übertreiben, aber wie sorglos manche Mitmenschen mit den Gefahren des Alltags umgehen, macht mir, gelinde gesagt, Angst. Ich würde mal behaupten, dass die immer häufiger diagnostizierten Angststörungen doch nur deshalb zunehmen, weil es ignorante Mitmenschen gibt, die die Gefahren einfach nicht sehen wollen. Dass sie mit ihrem asozialen Verhalten erst dafür sorgen, dass wiederum die anderen Menschen Angst haben müssen, ist beinahe nicht zu vermitteln. Aber nun zurück zu meinem geplanten Abenteuer. Auf meiner Liste der Dinge, die vorab zu erledigen sind, stehen zum Beispiel: ein Fahrradhelm, dann der neue Nackenairbag, Kohlenhydratgels, denn mit Unterzuckerung ist nicht zu spaßen, Ellenbogen- und Knieschoner, eine dunkle Sonnenbrille, Kopfhörer, damit laute Geräusche unterdrückt werden können, und vielleicht das Wichtigste: ein Safewort, das für alle Beteiligten gilt – denn derartige Abenteuer sollte man keinesfalls allein begehen. So gewappnet bin ich bereit und schalte den Fernseher ein. Ich habe mir nämlich einen Film ausgesucht, der den Hinweis enthält: „Bitte vorsichtig schauen.“ Wisst ihr was? Ich bin für solche Abenteuer vielleicht doch nicht gemacht, egal, wie ich mich vorbereite. Stattdessen werde ich jetzt eine Runde mit dem Rennrad fahren – ohne Helm, ohne Kohlenhydrate. Ich bin so froh, dass es noch so ungefährliche Abenteuer gibt.
Mehr aus Gesellschaft