Gesellschaft
Die blinkenden Lichter
Gesellschaftssatire über Aufmerksamkeit, Konsum und Verführung
Von Der Levitenleser · 18. Januar 2026
Wer passt eigentlich auf uns auf? Wer beschützt uns vor den Gefahren, vor allem vor den auf den ersten Blick nicht erkenn- und wahrnehmbaren?
Wer passt eigentlich auf uns auf? Wer beschützt uns vor den Gefahren, vor allem vor den auf den ersten Blick nicht erkenn- und wahrnehmbaren? Selbst die religiösesten unter uns, und das quer durch alle Religionen hinweg, vertrauen ihren eigenen Göttern nicht mehr. Es wird gemahnt und gewarnt an allen Ecken, mal dezent, mal dringlich, jedoch niemals zur richtigen Sache und zur richtigen Zeit. An guten Tagen kann man darüber natürlich schmunzeln, an vielen Tagen hat man jedoch guten Grund, sich an den Kopf zu greifen und sich zu fragen, wohin das noch führen soll. Denn eines ist klar: Diese Warnungen werden mehr, drastisch mehr, täglich kommen neue hinzu – ein Markt der Warnungen auf Speed. Völlig überdreht, außer Kontrolle, werden Warnungen und Hinweise produziert. Doch wer ist der Abnehmer dieses Produktes? Wer sind diejenigen, welche ohne diese Warnungen nicht am Leben teilnehmen könnten? Wer hat diese Menschen schon einmal gesehen, diese Bedürftigen, um die sich so vehement gekümmert wird? Noch viel interessanter sind die Fragen am Anfang: Wer steckt hinter diesen Warnungen und Hinweisen? Wer hat das Monopol? Wer glaubt, dass es Menschen gibt, die es nötig haben, dass man sich so um sie kümmert? Stellen wir uns also kurz einmal vor, was für ein Mensch folgende Hinweise benötigt: Dieser Mensch hat es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, und kurz bevor der Filmabend beginnt, erscheint auf dem Bildschirm der Hinweis: Achtung, der Film enthält blinkende Lichter. Gut, denkt er, das ist ja gerade noch einmal gut gegangen, und er macht den Fernseher aus. Die Popcorns aus der Mikrowelle will er aber trotzdem essen. Bevor er seine neue Mikrowelle das erste Mal benutzen will, liest er aufmerksam die Bedienungsanleitung. Wieder einmal hat er Glück gehabt, und er nimmt seine nasse Katze aus dem Gerät, weil man Tiere darin nicht trocknen darf. Das Popcorn isst er nun auch nicht mehr, weil dieses Zucker enthält, und daran kann er sich erinnern: Dieser wäre wohl nicht gut. Er ist verunsichert, aber irgendwie auch glücklich. Er denkt an sein Auto und wie es ihn beharrlich an die Gangwechsel erinnert, dass er nur bei der richtigen Drehzahl auszukuppeln hat. Wenn es kalt wird, sagt ihm sein Auto sogar, dass die Straßen glatt sind. Er atmet tief durch – vor vielen Jahren las er die „schöne neue Welt“. Er hätte sich nie träumen lassen, dass die schöne neue Welt von heute so viel schöner ist als damals beschrieben.
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