Denken & Kultur
Die größte Pandemie
Ein Feuilleton über Denken, Bildung und Kultur
Von Der Levitenleser · 21. Dezember 2025
Eine der weltweit verbreitetsten und gefährlichsten Krankheiten in der zivilisierten Welt ist zwar bekannt, aber bei weitem nicht hinreichend erforscht. Die Gründe für das allgemeine, aber auch wissenschaftliche Desinteresse sind wie so oft die üblichen Vorwände und Einwände.
Eine der weltweit verbreitetsten und gefährlichsten Krankheiten in der zivilisierten Welt ist zwar bekannt, aber bei weitem nicht hinreichend erforscht. Die Gründe für das allgemeine, aber auch wissenschaftliche Desinteresse sind wie so oft die üblichen Vorwände und Einwände. Zum einen sind es die Betroffenen, welche vehement dagegen sind. Das mag zunächst paradox klingen, aber es ist in gewisser Hinsicht einleuchtend. Zum anderen sind es die Geldgeber, schließlich wollen gute und ausführliche Studien ja auch finanziert werden. Das nicht vorhandene Interesse deren Seite ist nur zu gut zu verstehen. Und dann gibt es ja noch – und das nicht zu selten – eine gemischte Gemengelage: Also die Geldgeber sind zum großen Teil auch betroffen, und somit kommen die Argumente der Geldgeber und der Betroffenen zusammen, und eine gründliche Erforschung der Krankheit ist folgerichtig nicht durchführbar oder gewollt. Dabei wäre ich sogar ausnahmsweise fürs Impfen, wenn die Krankheit damit in den Griff zu bekommen wäre. Im Grunde wäre mir jedes Mittel recht: Aderlass, Zaubertränke, Folter, liebevolles Zureden – die ganze Klaviatur des medizinisch-biologisch-chemisch-physikalischen Komplexes. Selbst wenn zufälligerweise in einem Biowaffenlabor – in Gottes Namen, es könnte sogar in Wuhan sein – ein Heilmittel in ein Coronavirus eingebaut würde. Ich würde höchstpersönlich dafür sorgen, dass sich das segensreiche Virus verbreitet. Was wäre das für ein Segen, wenn die Menschheit rund um den Globus geheilt würde. Ich wünschte, ich könnte auf einem Aussichtsturm stehen, von wo aus ich die ganze Welt beobachten könnte: der Moment – momentmal – die unzähligen Momente zu sehen, wenn die Menschen bemerken, wie die Heilung einsetzt. Sicher käme es zuerst zu gewaltigen Irritationen, teilweise würde Panik entstehen. Ungläubig die Köpfe schüttelnd, würden die Menschen durch die Straßen gehen. Die erste Zeit würde wahrscheinlich viel geweint, und dann, ja dann würden sich die Menschen umarmen, lachen, voller Zuversicht sein und sich auf die Zukunft freuen. Ob das Heilmittel Nebenwirkungen haben könnte? Nein – oder etwa doch? Oh man, der einzige Wermutstropfen würde ausgerechnet den Levitenleser treffen. Aber ich kann aus erster Quelle berichten, dass der Levitenleser, wenn es so weit kommen sollte, den Wermutstropfen mit der Zunge auffangen und ihn sich genüsslich schmecken lassen würde. Ach ja, die Krankheit ist die „Denkfaulheit“. Laut Wikipedia die absolute Unlust zu lernen. Beim Dreiklang – Wollen, Können, Dürfen – sind alle drei Bausteine blockiert, und das gibt es sonst nie. Das Phänomen ist ausschließlich der Denkfaulheit vorbehalten. Ja, es gibt Ausnahmen, aber die sollen so selten sein wie der Yeti.
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