Denken & Kultur
Die Musik
Ein Feuilleton über Denken, Bildung und Kultur
Von Der Levitenleser · 17. Mai 2026
Nun sitze ich hier, im Café, ein Espresso, ein Glas Wasser, die üblichen belanglosen Gespräche um mich herum. Draußen abwechselnd Sonne und Wolken, eine Ampel wechselt stupide von Rot zu Grün, immer wieder neue Menschen, herrlich unbekannte Bekannte.
Nun sitze ich hier, im Café, ein Espresso, ein Glas Wasser, die üblichen belanglosen Gespräche um mich herum. Draußen abwechselnd Sonne und Wolken, eine Ampel wechselt stupide von Rot zu Grün, immer wieder neue Menschen, herrlich unbekannte Bekannte. Ich mittendrin und doch so weit entfernt wie der Pluspol vom Minuspol. Rituale braucht der Mensch, und so setze ich viel zu teure Kopfhörer auf. Musik. Ein Gedanke, der mich schon sehr lange verfolgt. Wie kann es sein, dass Menschen zu solcher Kunst fähig sind und gleichzeitig mit dem gleichen Enthusiasmus und Eifer anderen Menschen die Köpfe abschlagen und Splitterbomben verlegen, um möglichst viele Kinder zu verstümmeln? Die einfache Antwort: Diese Menschen haben noch nie richtig Musik gehört, sie sind unfähig, den Bildern der Musik zu folgen, sie trauen sich nicht, ihre Gefühle durch den Rhythmus beeinflussen zu lassen. Manchmal kann ich ihre Angst verstehen und die Frage: Was ist, wenn die Musik aufhört? Was ist, wenn der letzte Ton erklungen ist? Nun ja, man muss nicht direkt den Säbel zücken und sich ins Gemetzel stürzen. Ihr müsst auch keine Angst haben, dass ihr mit dem Morden und Massakrieren überhaupt aufhören müsst. Hollywood zeigt es uns ja immer wieder gern, wie schön die Musik das nicht enden wollende Morden untermalen kann. Erst durch die Musik entsteht aus der sonst „sinnlosen Ballerei“ eine Szene, die episch und lustvoll in Erinnerung bleibt. Ein beliebtes Stilmittel – dient es neben der gewünschten Dramatik einfach nur dazu, diesen Unsinn auszuhalten. Am Ende bleibt übrig: coole Musik – cooles Morden. So die einfache Antwort. Die noch einfachere Antwort ist wohl diese: Wir sind Tiere und werden es bleiben. Säugetiere, Raubtiere … Wir überleben, weil andere Lebewesen für uns sterben. Theoretisch könnte uns die Musik retten, wenn wir richtig zuhören würden, wenn wir uns einlassen könnten. Mit der Musik könnten, und das wäre der Schlüssel, unsere Großhirnrinde und unser Stammhirn Frieden schließen. Das setzt gleichzeitig voraus, dass die Vergangenheit und die Zukunft sich die Hand reichen. Aber jetzt setze ich erst mal meine viel zu teuren Kopfhörer ab und bin gespannt, welches Tier zum Vorschein kommt. Wie gut, dass das Café mitten in einer Messerverbotszone liegt.
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