Beruhigt euch, es wird keine Revolution geben, denn die wichtigste Person steht dafür nicht mehr zur Verfügung. Ihr habt es geschafft, ihn zu beschäftigen – und zwar so, dass er keine Kapazitäten mehr hat, auf die Straße zu gehen.
Beruhigt euch, es wird keine Revolution geben, denn die wichtigste Person steht dafür nicht mehr zur Verfügung. Ihr habt es geschafft, ihn zu beschäftigen – und zwar so, dass er keine Kapazitäten mehr hat, auf die Straße zu gehen. Die wichtigste Person ist durchaus vielfältig, die Spannbreite der verschiedenen Persönlichkeiten ist sogar sehr groß. Gerade eben habe ich welche vor einem neu eröffneten Store von YSL gesehen. Sie standen im Regen vor der noch geschlossenen Tür, um mutmaßlich ein neues Accessoire zu erwerben. Ein paar Minuten später durfte ich in einem Café andere Vertreter belauschen. Diese Kohorte ist im Übrigen auch nicht klein, aber auch nicht mehr für eine Revolution zu gebrauchen, denn diese haben ganze Unternehmen zu leiten – nicht, weil sie Unternehmen gegründet haben, sondern weil ohne sie die Unternehmen nicht existieren könnten. So zumindest glauben sie es. Sie sind davon überzeugt, ganz und gar. Mir fällt dazu meist nur eine Tatsache ein: Mitarbeiter können ganze Unternehmen ruinieren, während sie insgeheim glauben, die Unternehmen zu führen – und ja, die eigentlich eingesetzten Führungskräfte gehören der Kohorte dann natürlich auch an und tragen zum Elend bei. Der Bildungsbürger ist auch raus, darüber haben wir uns ja schon ausgetauscht. Diejenigen, die bei Corona eifrig mitgemacht haben und Masken, Impfungen und weitere Maßnahmen gefordert haben, sind leider unterschiedlicher Meinung, was den Krieg im Nahen Osten anbelangt oder den Krieg in der Ukraine. Es gibt jedes Jahr ca. 30 Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen weltweit – natürlich bekommen wir gesagt, welche Kriege gerade angesagt sind und zu welchen wir uns wie äußern sollen. Auf der gleichen Empörungsebene wie die Kriege sind dann die erhöhten Benzinpreise und Rosenkriege von Prominenten, aber auch da gibt es keine Einigkeit. Manche finden die Benzinpreise nicht hoch genug und unterschreiben gleichzeitig eine Petition gegen ein Windrad vor der eigenen Haustür. Es soll auch Menschen geben, die sich einer Gruppe Mitbürger angeschlossen haben, die sich unsicher sind, welches Geschlecht sie haben. Im Grunde genial: Die wichtigste Person einer Gesellschaft ist der Mitläufer – dieser läuft zwar noch fleißig mit, aber in viel zu kleinen Kohorten. Es gibt keine Themen mehr, bei denen eine kritische Masse entstehen könnte, um eine Revolution anzuzetteln. Divide et impera.
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