Medien & Sprache
Empört Euch (geklaut)
Satire über Medien, Sprache und öffentliche Debatten
Von Der Levitenleser · 7. Juni 2026
Das hat doch Stéphane Hessel nicht gemeint, als er 2010 das Büchlein „Empört euch!“ den Lesern zur Verfügung gestellt hat.
Das hat doch Stéphane Hessel nicht gemeint, als er 2010 das Büchlein „Empört euch!“ den Lesern zur Verfügung gestellt hat. Er meinte doch nicht eure in schlechter Laune geschriebenen Googlebewertungen, eure unzähligen Empörungen über diesen oder jenen Artgenossen, unbekannte Prominente oder über die Unzulänglichkeiten eures eigenen Lebens, die ihr immer wieder, zugegeben bewundernswert beharrlich, anderen in die Schuhe schieben wollt und dann auch noch in den Sozialexperimentmedien zum Besten gebt. Doch egal, was Stéphane Hessel gemeint hat. Ich formuliere es hier jetzt einmal ganz in Ruhe und mit gegebener Höflichkeit: Habt ihr sie nicht mehr alle? Seid ihr völlig blöde geworden? Merkt ihr wirklich so gar nichts mehr? Was meint ihr damit, wenn wir wieder kriegstüchtig gemacht werden sollen? Was glaubt ihr, was mit ca. 2,5 Billionen Euro oder 2.500 Milliarden Euro weltweiten Rüstungsausgaben am Ende des Tages gemacht wird? Selbst wenn man großzügig die Bereicherung weniger Menschen abzieht, bleibt genügend Geld übrig, um begeistert Waffen herzustellen, die nur ein Ziel haben: zu morden und zu verstümmeln. Den Politikern gebe ich keine Schuld. Schließlich ist es ihre Aufgabe, für Unfrieden und Unruhe auf der Welt zu sorgen. Darin sind sie wirklich gut und müssten meiner Meinung nach dafür viel besser bezahlt werden. Aber das ist eine andere Geschichte. Wer sich aber nicht herausreden kann, das seid ihr, ihr hirnlosen Wichte. Ihr lasst euch massieren von den unzähligen Nachrichten über den guten und gerechten Krieg – und darüber, dass es Sieger nach einem Krieg gibt und dass Kriege gewonnen werden können. Und wenn schon Millionen ermordet worden sind, dann muss man noch härter vergelten – damit, ja, was schon? Damit noch mehr Menschen getötet werden können. Es gab bei noch keinem einzigen Krieg in der Vergangenheit Sieger. Kriege kann man nicht gewinnen. Kriege kann man nur beenden. Danach gibt es nur Verlierer und, wenn nicht alle tot sind, vielleicht die Hoffnung, dass es zukünftige Generationen besser machen können. Wo seid ihr also? Wo sind die Denker und Macher, die Stéphane Hessel verstanden haben? Wenn es euch gibt, dann ist zumindest die Hoffnung noch da – und diese stirbt bekanntlich zuletzt.
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