Medien & Sprache
Generation XYZ
Satire über Medien, Sprache und öffentliche Debatten
Von Der Levitenleser · 16. August 2026
Wir werden wohl nicht bestehen können, zumindest nicht, wenn wir so weitermachen wie bisher. Witzigerweise ist mit diesem Satz auch der Dümmste einverstanden, damit auch diejenigen, welche heutzutage immer noch beharrlich Zeitung lesen.
Wir werden wohl nicht bestehen können, zumindest nicht, wenn wir so weitermachen wie bisher. Witzigerweise ist mit diesem Satz auch der Dümmste einverstanden, damit auch diejenigen, welche heutzutage immer noch beharrlich Zeitung lesen. Ja, da haben die jüngeren Generationen schon recht, wenn sie sagen, die vorherigen Generationen hätten ihnen den Schlamassel eingebrockt. Genau genommen waren es die Zeitungsleser und die Fernsehgucker, also diejenigen, welche mal wieder das eigene Denken verweigern und nur sehr gut darin geübt sind, vorgefertigte Meinungen vorzutragen und zu verteidigen. Man braucht jetzt nicht besonders gut in Geschichte zu sein, aber offensichtlich ist dieses Phänomen über die Generationen hinweg immer das Gleiche, eine historische Formel der ständigen Wiederholung. Der Vorwurf ist berechtigt, aber wer trägt ihn eigentlich vor? Die Zeitungen sind längst ausgestorben, lineares Fernsehen gibt es nur noch für komplett Sedierte. Dennoch sind die Muster die gleichen. Wer schon mal einen Zeitungsleser in seinem Stammcafé beobachtet hat, wenn er zur Tür hereinkommt – mit leicht panischen und gehetzten Gesichtszügen, mit nervösem Blick auf die Stelle gerichtet, wo die Zeitungen liegen. Es geht nicht nur darum, ob überhaupt eine Zeitung da liegt, sondern es muss das gewohnte Tagesblatt sein, und sie muss möglichst noch nicht gelesen worden sein. Dann schau wieder ins Gesicht dieses Zeitungslesers – völlig ausgewechselt: strahlend, glücklich, entspannt, voller Vorfreude. Die Tür des Cafés geht erneut auf. Jünger, deutlich jünger als unser Zeitungsleser. Progressiv würde man heute wohl sagen. Jemand, der aussieht, als würde er sein Geschlecht nicht kennen oder akzeptieren. Das sei akzeptiert, denn es kann nicht davon ablenken, was gleich passieren wird. Sich hinzusetzen und durch die Programme der Sozialexperimente zu scrollen, ist eine fließende Bewegung. Bewundernswert verinnerlicht. Mehr als 3000 Wiederholungen sind bei einem Menschen notwendig, um Bewegungen so zu automatisieren, dass sie ablaufen können, ohne darüber nachzudenken. Darum geht es ja schließlich. Nicht wahr? Der Blick des Gesandten aus der jüngeren Generation ist leicht panisch und wirkt gleichzeitig erschöpft und gehetzt. Es dauert eine kleine Weile, und sein Gesicht ist völlig ausgewechselt – strahlend, glücklich, entspannt, voller Vorfreude. Solange es so ist, liebe Generationen, brauchen wir keine Angst zu haben, dass sich jemals etwas ändert. Und auf beruhigende Art und Weise wird dieser Satz wohl immer Bestand haben: „Wir werden wohl nicht bestehen können, zumindest nicht, wenn wir so weitermachen wie bisher.“
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