Politik & Macht
Heute schon sanktioniert?
Politische Satire über Macht, Verantwortung und Demokratie
Von Der Levitenleser · 28. Dezember 2025
Gerade in der heutigen Zeit scheinen die Sanktionen eine Renaissance bzw. Hochkonjunktur zu haben. Obwohl die Studienlage zur Wirksamkeit von Sanktionen mehr als ernüchternd ist, werden sie doch immer wieder und häufiger angewandt.
Abgeleitet von dem Wort Sanktionen sprechen wir also zumindest im römischen Recht der Antike von Strafe. Im heutigen politischen Umfeld werden Sanktionen wie bunte Smarties verteilt. Diese sollen wohl, wenn man sich die Sanktionsverteiler so anschaut, neben der Strafe eine erzieherische Komponente haben. Ja, es wirkt schon etwas von oben herab. Aber diese Haltung liegt den Sanktionsverteilern im Blut: maßregeln, züchtigen, den „richtigen“ Weg zeigen – im Grunde nach dem Motto: Wenn du nicht hören willst, dann musst du eben fühlen. Gerade in der heutigen Zeit scheinen die Sanktionen eine Renaissance bzw. Hochkonjunktur zu haben. Obwohl die Studienlage zur Wirksamkeit von Sanktionen mehr als ernüchternd ist, werden sie doch immer wieder und häufiger angewandt. Etwa, weil viel viel hilft oder weil man erhofft, dass die Nichtwirksamkeit endet, wenn man es konsequent weitermacht und sogar noch ausweitet. Aber was wirklich absurd ist und an Irrsinn nicht zu überbieten, ist die Tatsache, dass gerade in den Bereichen, in denen sich die „befeindeten Lager“, meist Nationen, friedlich gegenüberstehen, auch liebend gern sanktioniert wird. Man mag es kaum glauben, aber es gibt weltweit etablierte und gut ritualisierte Gelegenheiten, bei denen Nationen der ganzen Welt in Frieden, mit Begeisterung, Enthusiasmus und voller Leidenschaft miteinander um Höchstleistungen ringen. Es geht sogar um Gewinner und Verlierer, aber gerade das macht den Reiz dieser Veranstaltungen aus und ist kein Grund, dem anderen böse zu sein oder ihn zu bestrafen. Was machen aber die Politiker unserer Zeit? Sie zerstören mit ihren Sanktionen genau diese Beispiele der friedlichen Übereinkünfte zwischen den Nationen der Welt. Sie wollen nicht, dass die Menschen es mit ihren eigenen Augen sehen können, dass über Ländergrenzen hinweg bei Olympiaden, Weltmeisterschaften (egal welcher Sportarten), bei Musikfesten und -konzerten, bei internationalen Kunstprojekten die Nationen ohne Vorbehalte miteinander auskommen. Und das tun sie gern: mit großer Vorfreude, mit herzlichem Mitfiebern bei den Veranstaltungen – auch für Nationen, denen man selbst nicht angehört. Aber es ist definitiv nicht gewollt, es ist den Politikern der ganzen Welt ein Dorn im Auge. Daher werden immer wieder und, wie gesagt, derzeit im inflationären Maßstab Nationen ausgegrenzt, gecancelt, bestraft, eben sanktioniert. Nur mal angenommen, es ginge wirklich um den Frieden in der Welt: Warum sollte man die Oasen des Friedens aller Nationen verhindern wollen?
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