Denken & Kultur
Mensch oder Tier
Ein Feuilleton über Denken, Bildung und Kultur
Von Der Levitenleser · 30. November 2025
Wem es also gelingt seinen Aufzug im Kopf durch Wissen, Bildung, Erfahrung, echte Freude und Liebe in der obersten Etage (Präfrontaler Cortex) zu halten, der ist Mensch und nicht Tier.
Wem so Offensichtliches nicht gewahr wird, dem fährt das Gehirn wieder Aufzug und zwar bis in die unterste Etage, ins Stammhirn, dort, wo wir Tiere sind und sein dürfen. Losgelöst vom kreativen und strukturierten Denken geben wir uns den Instinkten hin. Ungeniert dürfen wir nun den geistigen Konfrontationen, anspruchsvolleren Denkaufgaben entfliehen, ausweichen, so tun, als hätte man nichts gehört. Totstellen, sogar angreifen, geifern und ereifern sind nun von höchster archaischer oder auch primitiver Instanz gestattet. Entschuldigend und versöhnend denke ich an die Wichtigkeit des limbischen Systems, ein notwendiges System, welches im Sekundentakt Entscheidungen fällt. Es wird nicht fürs Grübeln bezahlt; ein Scharfrichter entscheidet hier über Leben und Tod, alles andere interessiert ihn nicht. Es hat genau drei Möglichkeiten zu entscheiden; mehr Optionen wären nicht schnell genug auszuwählen: Totstellen, Fliehen, Angriff. Und damit es noch einfacher wird, können diese Optionen nur bei einem Gefühlszustand ausgewählt werden, der Angst. Und damit es noch einfacher wird: Dem Scharfrichter ist es egal, ob die Angst eingebildet oder real ist. Es muss einfach nur schnell gehen bei der Entscheidung über Leben und Tod. Wem es also gelingt, seinen Aufzug im Kopf durch Wissen, Bildung, Erfahrung, echte Freude und Liebe in der obersten Etage (präfrontaler Cortex) zu halten, der ist Mensch und nicht Tier.
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