Politik & Macht
Na dann mal Prost III
Politische Satire über Verantwortung, Macht und bequeme Antworten
Von Der Levitenleser · 14. Juni 2026
Ein Mann schleicht sich zur Tür herein. Zielstrebig setzt er sich an den Rand der Bar.
Ein Mann schleicht sich zur Tür herein. Zielstrebig setzt er sich an den Rand der Bar. Der Barkeeper macht ihm sein Getränk, ohne vorher dazu aufgefordert worden zu sein. Es sieht fast so aus, als hätte das Glas die Theke gar nicht erst berührt, sondern als sei der erste Kontakt Hand und Mund zugleich gewesen. Seine glasigen Augen verlieren kurz den angespannten Ausdruck, seine mageren Gesichtszüge sehen noch immer gestresst aus. Das zweite Glas macht es nicht besser. Nach dem dritten Glas setze ich mich zu ihm. Seine Augen sehen nun lustig blitzend aus. Am Gesicht kann man wohl nichts machen, da helfen sicher auch die nächsten Gläser nicht. Er ist nicht erstaunt, mich zu sehen. In Erinnerung an unser letztes Gespräch, eher ein Monolog von seiner Seite, bestellt er mir ein großes Glas Wasser. Kein „Hallo“, sondern nur eine Geste: Wir stoßen an. Mein Glas Wasser und sein Glas Cognac. Nach einer Weile der Stille erzähle ich ihm von meinem Traum. Dass er einen sehr mutigen Auftritt bei Lanz hatte. Dass er offen und ehrlich über die Ereignisse rund um Corona gesprochen hat. Wie er unter Tränen sagte, dass es ihm so unendlich leidtue und er um Vergebung bitte. Ich erzähle ihm noch, dass auch Lanz die Tränen kamen und diese Sendung Rekord-Einschaltquoten hatte. Er nimmt sein Glas zum Mund und trinkt in ganz kleinen Schlücken. Sein spitzer Kehlkopf hüpft fast zehnmal hoch und runter. Es sieht rührend aus, weil er gerührt ist. Selbst seine Gesichtszüge versuchen angestrengt, lieblich auszusehen. Nun bin ich selbst etwas gerührt. Daher sage ich ihm nicht, wie der Traum ausgeht. Keiner der Menschen wollte ihm verzeihen. Es hatte sie im Gegenteil noch wütender gemacht. Sie wollten Rache, dabei war Gefängnis noch die mildeste Forderung. Nicht wenige wollten ihn zwangsimpfen – mit was auch immer in den Spritzen sein sollte. Egal. Mindestens Hunderte Impfungen in einen Arm. Sorry, kleine Pieckse, beinahe nebenwirkungsfrei. Was für ein Glückspilz der Mann an der Bar doch zu sein scheint. Denn es war ja nur ein Traum – den ich ihm heute zumindest noch nicht zu Ende erzählt habe.
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