Politik & Macht
Na, dann mal Prost.
Politische Satire über Verantwortung, Macht und bequeme Antworten
Von Der Levitenleser · 25. Januar 2026
Vor einiger Zeit an einer Bar in irgendeiner Stadt.
„Wollen Sie was trinken?“
Vor einiger Zeit an einer Bar in irgendeiner Stadt. „Wollen Sie was trinken?“ „Ja, warum nicht, ich nehme ein Wasser.“ Mein Nachbar zur Rechten, welcher mir soeben diese Frage gestellt hatte, lässt sich sein Entsetzen wegen meines Getränkewunsches nicht anmerken. Kurze Zeit später stoßen wir an, ein Glas voll Wasser und ein Glas Cognac berühren sich klirrend. Danach Stille. Ich bin es gewohnt, nichts zu sagen, und genieße die Ruhe. Meinem Nachbarn fällt es sichtbar schwerer. Er dreht sein Glas in seinen Händen und nippt in fast regelmäßigen Abständen. Ich versuche, ihn aus dem Augenwinkel genauer anzuschauen. Ich nehme es zurück, er sieht nicht gut aus, aber es ist nicht der Alkohol von heute – er hat sein Aussehen definitiv mitgebracht. Fettige Haare und ungepflegte Zähne bekommt man nicht von einem Schluck Cognac. Kaum hatte ich den Gedanken, wie lange er mir noch die Ruhe gönnt, war es mit derselben auch schon vorbei. „Darf ich Sie etwas fragen?“, fragte er. Da er mir ein Wasser spendiert hat, gestatte ich ihm seine Frage. Höflich drehe ich mich zu ihm hin und warte auf das, was da kommen möge. Er nimmt noch einen Schluck, einen großen Schluck. Er wischt sich den Mund mit dem Ärmel seines Sakkos ab. Ohne mich anzuschauen, stellt er seine erste Frage: „Wie sind Sie eigentlich durch die Corona-Zeit gekommen?“ Die Frage hörte sich an, als wollte er es wirklich wissen, nicht wie der Auftakt zu einem Smalltalk oder um die Stille zwischen uns zu durchbrechen, eher wie ein Forscher, einer, der auf Entdeckungsreise geht, womöglich auf seine erste Reise. Vielleicht bin ich sogar der Erste, dem er diese Frage stellt? Nun brauche ich einen Schluck von meinem Wasser. Es ist sechs Jahre her. Aber ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern. Die Globalisierung hat zum ersten Mal ihre ganze Kraft entfaltet. Die globalen Märkte haben sich erstmalig zusammengetan, um ein Ereignis synchron auf die ganze Welt auszurollen. Wie ein gut eingespieltes Orchester spielten die Staaten ihre Noten aus den Notenbüchern. Wie bei einer katholischen Zeremonie war vorher klar, welche Lieder, welche Strophen in welcher Reihenfolge gespielt werden sollten. Ich kann mich erinnern, wie beeindruckt ich war, es war nahezu perfekt arrangiert. Es war genial gemacht. Viele Jahre später denke ich noch immer so und ziehe ehrfürchtig meinen Hut. Was brauchte es für kluge und vorausschauende Führer, um so ein Gesamtkunstwerk zu gestalten und über Jahre, im Grunde bis heute, durchzuführen. Es war ziemlich leicht und schnell herauszufinden, dass die Geschichte einer fürchterlichen Krankheit nicht der Wahrheit entsprach. Es gab keine haltbaren Indizien dafür. Die Sentinel-Praxen haben nichts detektiert, keine Auffälligkeiten in der Bevölkerung. Nicht mehr Kranke, nicht mehr Tote, nichts, es war wie immer. Halt, natürlich nicht ganz, denn es gab dank einer genialen Idee, eines außerordentlich genialen Schachzuges, dem PCR-Test, nun auch symptomlose Kranke. Das war der Durchbruch. Ich war nicht wirklich erstaunt, dass die Menschen sich nun eifrig mit Inzidenzen, dem R-Wert und den Masken beschäftigten. Sie taten alles, was von ihnen verlangt wurde, mit einer Begeisterung und Lust, sogar ausdauernd – nur um nicht selber denken zu müssen. Irgendwann kam dann ja die Erlösung – endlich war sie da. Den Menschen war es überaus plausibel, dass man mit Milliarden an Steuergeldern langwierige und lange dauernde Studien abkürzen konnte. Ja, die sonst üblichen phasenweise aufeinander aufbauenden Studiendesigns wurden nun parallel durchgeführt – teleskopiert. Kaum zu glauben, aber wahr. Durch diese und andere Maßnahmen wurden die Menschen nun doch endlich krank, und die Macher des globalisierten Geniestreiches wurden reichlich belohnt. Manche sogar in Lichtgeschwindigkeit („Lightspeed by BioNTech“). Ich nahm nun noch einen Schluck von meinem Wasser. Menschen wurden die Grundrechte entzogen, alte Menschen starben alleine, weil sie nicht mehr von ihren Angehörigen besucht werden durften. Kindern wurde die Kindheit gestohlen, den Menschen die Würde. So vieles fällt mir dazu ein. Ich bemerke, dass mein Fragesteller langsam unruhig wird. Ich sollte ihm langsam mal auf seine Frage antworten. Also antwortete ich: „Gut.“ Er schien erleichtert über meine Antwort. „Wie heißen Sie?“, war direkt darauf seine nächste Frage. Noch bevor ich antworten konnte, sagte er zu mir: „Ich heiße Karl.“
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