Es ist soweit, wir sind dem Ende nahe.
Es ist soweit, wir sind dem Ende nahe. Das ist nichts, was mich wundert oder gar entsetzt, es war schon lange zu sehen, jeden Tag vermehrten sich die Zeichen – es wurde immer offensichtlicher – erst schleichend zwar, aber dann wie der Bolero von Ravel, immer schneller, und irgendwann musste es sich entladen. Beim Wettlauf um den Irrsinn in der Welt würden die Akteure zwangsläufig ins Stolpern geraten, und einer Lawine gleich würde alles ins Tal, in den Abgrund stürzen. Ich habe wirklich nicht viele Wünsche, und von den wenigen bräuchten sich noch nicht mal alle erfüllen. Aber der eine, es wäre schon schön, wenn er in Erfüllung gehen würde. Wenn es dann passiert und die Lawine kommt ins Rollen, dann möchte ich auf einem meiner Aussichtspunkte sein. Ihr wisst schon, meine viel zu t… Kopfhörer auf und den Blick unverstellt frei auf die Welt. Ich antizipiere kein Leid durch die Lawine, das würde ich gar nicht sehen wollen, davon sehe ich ja heute schon genug. Vielmehr könnte es der Anfang einer neuen schönen Welt sein. Nichts von dem, was Huxley schon beschrieben hat, nein, dieser Neuanfang spült alle alten Ideen der schönen neuen Welt mit hinunter. Dass ich vom Neuanfang träume, davon wissen die Akteure, welche mir durch das Bild laufen, natürlich nichts, und sie verhalten sich ungeniert einfach so, als wäre derartiges Verhalten völlig normal. Sie ahnen nicht, dass sie damit irgendwann die Lawine auslösen werden – ohne Absicht – einfach, weil es so nicht mehr weitergehen kann … Meine Gedanken werden unterbrochen. Eine Frau ruft verzweifelt ihren Hund. Mit seinem Doppelnamen. Mein Puls schnellt in die Höhe. Vor lauter Aufregung höre ich die Frau noch ihrem Hund drohen: „Wenn du nicht gleich kommst, dann darfst du heute nicht aufs Sofa.“ Natürlich weiß der Hund mit dem Doppelnamen, dass dies alles leere Versprechungen sind und er, egal, was passiert, heute Abend mit Frauchen auf dem Sofa die Tagesschau sehen darf. So wie alle Kinder dieser Welt wissen, dass auf den Satz: „… sonst gehen wir nicht zu McDonald’s“, die Juniortüte praktisch schon bestellt ist. Die Frau beginnt nun ihrem Hund hinterherzurennen. Das hätte sie nicht tun sollen, sie kommt ins Straucheln … Kurz bevor sie unsanft zu Boden geht, schließe ich die Augen und freue mich insgeheim, dass ich Zeuge wurde, wie die Lawine ins Rollen kam.
Mehr aus Gesellschaft