Medien & Sprache
Phänomene II
Satire über Kommunikation und die Mechanik öffentlicher Debatten
Von Der Levitenleser · 15. März 2026
Die immer gleichen einstudierten Gesten und Rituale, welche die Gespräche zwischen den Menschen begleiten, sind äußerst interessant und aufschlussreich.
Die immer gleichen einstudierten Gesten und Rituale, welche die Gespräche zwischen den Menschen begleiten, sind äußerst interessant und aufschlussreich. Es ist erstaunlich, wie ausdauernd und bei der nächsten Gelegenheit auch nahezu als Kopie wiederholend diese Gespräche ablaufen. Es sind Rituale, das ist offensichtlich; sie dienen nur einem Zweck, und zwar, in einem nicht enden wollenden Wortschwall zu zeigen: Ich gehöre dazu, du brauchst keine Angst zu haben. Wir sind eine Gruppe – wir haben die gleichen Geschichten, sorge dich nicht um Überraschungen, das Gespräch wird keine unerwarteten Wendungen nehmen, du brauchst dich nicht anzustrengen, meinen Überlegungen und Gedanken zu folgen, du hast alles schon gehört. Dabei wird versucht, der Belanglosigkeit des Gesprächs Bedeutung zu geben, durch affektierte Gesten und die neuesten Floskeln oder modischen Accessoires der aktuellsten Version der Sprache der entsprechenden Peergroup. Oft sind es die Hände, welche beinahe verzweifelt und dramatisch versuchen, den Text der Sprecherinnen zu betonen; dabei scheint es zusätzlich wichtig zu sein, dass die meist künstlichen Fingernägel immer im Bild des Gegenübers zu bleiben haben. Vom Trauerspiel der Mimik, der rollenden Augen, der hochgezogenen Augenbrauen will ich gar nicht erst schreiben. Es ist kein Gespräch, es ist ein Schauspiel. Es soll auf der Bühne des Lebens auch von den hinteren Reihen des Theaters, von den Beobachtern, als ein überaus wichtiges und anspruchsvolles Gespräch wahrgenommen werden. Es wird getäuscht und getrickst, was das Laienschauspiel so hergibt. Der Inhalt ist egal, es geht darum, ein Gespräch, zumindest so, wie es die Protagonisten sich eines vorstellen, nachzuahmen. Obwohl vielfach geübt und die Mimik und Gesten ohne nachzudenken präsentiert werden, werden die freigewordenen Ressourcen nicht in Denkleistung investiert. Erstaunlich, aber es ist so. Lediglich wird manchmal versucht, die Umgebung zu scannen, der Blick schweift immer wieder ab, mal aufs Handy, mal zu anderen Personen, aber alles ohne Interesse – gelangweilt, ja, das trifft es gut. Früher war Langeweile die Ausgangsbasis von Inspiration, von interessanten Gedanken – von einem frischen und neugierigen Blick auf die Welt. Heute scheint die Langeweile ein statischer Zustand zu sein, sie ist nicht mehr der Motor der Welt, sondern ein notwendiges Übel, damit man nicht auffällt und aus dem sozialen Gefüge verbannt wird. Zusammenfassend kann man sagen, es ist erstaunlich, wie lange manche Menschen miteinander reden, sich eine Geschichte nach der anderen erzählen, um doch am Ende nichts gesagt zu haben.
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